Schaumburger Zeitung schrieb:
Wer ist schon immer "Everybody's Darling"?

Zu Besuch bei einem Schiedsrichter, einer Gerichtsvollzieherin und einer Zahnärztin

Von Joachim von Meien

Rinteln. Es gibt Berufe, die sehr wichtig sind, die aber eines häufig nicht garantieren: Anerkennung oder Lob. Im Gegenteil! Meistens ziehen Beschäftigte in solchen Berufsgruppen den Unmut so mancher Mitbürger auf sich oder genießen zumindest nicht das allerbeste Image.


Wie häufig muss sich ein Schiedsrichter Beschimpfungen der Zuschauer anhören, weil er in ihren Augen wieder einmal völlig falsch entschieden hat? Wie muss sich ein Gerichtsvollzieher fühlen, der den meisten Menschen als herzlos gilt? Und wie kommt es eigentlich, dass so viele nur an Schmerzen denken, wenn sie zum Zahnarzt gehen?

Der Schiedsrichter. Ein Spieler kommt nach einer Grätsche zu Fall. Der "Schiri" erkennt das Foul und pfeift. Sofort muss er sich Vorwürfe wie Parteilichkeit, Unfähigkeit oder gar "Blindheit" anhören - sowohl von Zuschauern als auch von Spielern.

Pierre Berning ist Schiedsrichter in der Bezirksklasse und hat schon unzählige solcher Situationen erlebt. "Es ist fast unmöglich, sich während eines Spiels keine Feinde zu machen - entweder auf der einen oder eben auf der anderen Seite", so Berning, der sogar schon einmal von einem Spieler gegen das Schienbein getreten wurde, nachdem er ihm Rot gezeigt hatte. "GuteLeistungen werden als selbstverständlich hingenommen und nur in den seltensten Fällen mal mit einem Lob der Spieler oder Trainer honoriert. Doch die wenigsten wissen überhaupt, wie viele Regeln es gibt oder wie anspruchsvoll die Ausbildung zum Schiedsrichter eigentlich ist."

Pierre Berning mag seine Aufgabe trotzdem und sieht sie als ständig neue Herausforderung an. Es sei immer wieder reizvoll, die Verantwortung für ein Spiel zu übernehmen - auch wenn man am meisten Bestätigung dabei durch sich selbst erfahre.


Die Gerichtsvollzieherin

Es erinnert an längst vergangene Zeiten, wenn Claudia von Ditfurth-Siefken mit ihrem Dienstwagen, einem 1963er Opel Kadett, unterwegs ist. Sie ist Gerichtsvollzieherin im Auftrag des Amtsgerichts Rinteln. Nach dem Fachjurastudium arbeitete sie zunächst als Rechtspflegerin und wurde dann für ein Jahr aushilfsweise als Gerichtsvollzieherin eingesetzt. Der Job gefiel ihr gut und sie entschied, ihn weiterzumachen.

"Wenn ich bei Schuldnern an der Türe klingele, gibt es immer schon eine lange Vorgeschichte - also diverse unbezahlte Rechnungen und Mahnungen", sagt von Ditfurth-Siefken, die sich aber nicht als Handlanger der Gläubiger sieht. Vielmehr fühlt sie sich als unabhängige Vermittlerin, die immer beide Seiten im Auge haben muss. Auch sie hat es schon erlebt, im Beruf unfreundlich behandelt zu werden.

Aber eigentlich würden die Leute schnell merken, dass man sein Möglichstes tut, um ihnen zu helfen. Voraussetzung dafür sei allerdings gute Kooperationsbereitschaft. "Und wenn es dann sogar gelingt, eine Einigung zwischen Gläubiger und Schuldner - etwa in Form einer Ratenzahlung - zu vermitteln, ja dann erfährt man als Gerichtsvollzieherin auch ehrliche Dankbarkeit", bilanziert von Ditfurth-Siefken mit einem Lächeln.


Die Zahnärztin . "Am wichtigsten ist es, dass man ehrlich zu den Patienten ist. Es bringt gar nichts, ihnen zu erzählen, dass es nicht weh tut, wenn sie dann doch Schmwerzen haben", beschreibt Dr. Ulrike Böger-Hinz, Zahnärztin in Exten, ihre Philosophie, dass Vertrauen in ihrem Beruf äußerst wichtig ist.

So schlimm kann eine Behandlung bei ihr denn auch nicht sein. Schließlich hängen überall in der Praxis selbst gemalte Bilder von Kindern herum, die die zweifache Mutter offenbar in ihr Herz geschlossen haben.

Dass einige Patienten in Erwartung eines großen Leidens nicht immer mit bester Stimmung in die Praxis kommen, kann kaum überraschen. Doch gerade hier sieht Dr. Böger-Hinz eine Herausforderung, zu zeigen, dass diese Angst in den meisten Fällen unbegründet ist. "Männer haben übrigens häufiger Angst als Frauen und geben das auch ehrlichzu", erklärt die Zahnärztin mit einem Augenzwinkern den Umstand, dass auf dem Zahnarztstuhl Tiger des Öfteren zu Plüschkatzen werden.

Zufriedene Patienten hat Dr. Böger-Hinz übrigens viele. Schließlich gehe es darum, die Lage der Patienten zu verbessern. "Wer freut sich denn nicht, wenn man endlich wieder gut kauen und zubießen kann oder auf dem Hochzeitsbild so richtig strahlen. Es geht doch immer vor allem um die Verbesserung der Lebensqualität", so Dr. Böger-Hinz. Auch sie macht ihren Job sehr gerne.

© Schaumburger Zeitung, 17.09.2005

 
Impressum